SAP am Pranger

Posted on Saturday 6 December 2008

Na das konnte ja niemand ahnen. Erst macht man sich jahrelang von SAP abhaengig, fuettert diesen Giganten bis zum unausweichlichen Monopol und jetzt wird rumgeheult, dass man in Walldorf seine Macht auch ausspielt:

Es sind drastische Worte, die aus den Unternehmen kommen. Von einer «Ausnutzung der Marktmacht» spricht man beim Hausgeräte- Hersteller Miele, von «reiner Geldmacherei» bei der Drogeriekette dm und Spar Österreich zitiert die «Lebensmittel Zeitung» gar mit dem Satz: «Wir fühlen uns erpresst.»

Stein des Anstoßes ist der Mitte des Jahres verkündete Plan von SAP, den Standardservice für seine betriebswirtschaftliche Software einzustellen und stattdessen nur noch einen Premiumservice anzubieten. Das bedeutete für die meisten Kunden de facto: Es wird teurer. Statt heute 17 Prozent der Lizenzgebühren jährlich für die Wartung der Programme zu zahlen, sind demnächst 22 Prozent fällig.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich ueberhaupt kein Mitleid. Erst laesst man sich Jahre lang von ueberbezahlten IT-Consultants verarschen und kauft denen alles ab, solange diese doch mit genug Fachbegriffen und Abkuerzungen um sich werfen, die sie selber nicht verstehen. Und jetzt? Jetzt ist man voellig fassungslos darueber, dass das Monster was man selber gezuechtet und wohl genaehrt hat tatsaechlich gierig wird…
Es geht hier nicht darum, dass Verhalten von SAP zu rechtfertigen, aber nachvollziehbar ist es allemal und zugleich die gerechte Strafe dafuer, dass man ueber Jahre ein nicht mehr zu kippendes Machtmonopol gezuechtet hat.
Das eigentlich Laecherliche kommt aber erst noch:

Krones, Miele und weitere knapp 100 Unternehmen haben sich organisiert, zuerst einen Brief an die beiden SAP-Chefs Henning Kagermann und Léo Apotheker geschrieben und sind nun an die Öffentlichkeit gegangen. Ihr Ziel: SAP an den Verhandlungstisch zu bekommen. «Es soll nicht zu einem Bruch kommen», sagt ein Sprecher der Initiative. «Herr Kagermann und Herr Apotheker haben uns bislang aber noch nicht geantwortet.»

Da versucht man tatsaechlich den Eindruck zu erwecken, dass SAP ja abhaengig sei von ihnen. Fakt ist aber (und das weiss man sowohl beim Kunden als auch in Walldorf), dass exakt das Gegenteil der Fall ist. Man hat sich ueber Jahre abhaengig von SAP gemacht. Wuerde man diesen Unternehmen dass SAP unterm Hintern ausknipsen, waere man vermutlich noch vor Weihnachten pleite. Und jetzt zu suggerieren, man haette ja Alternativen ist laecherlich.
Das Ende ist absehbar: SAP wird ein paar Prozentpunkte abweichen, den Barmherzigen spielen und sich seiner Marktmacht bewusst dann einfach in Zukunft kraeftig weiter erhoehen. Auf Kundenseite wird man frueher oder spaeter auf jeden Kompromiss eingehen, weil man sowieso weiss, dass man keine andere Wahl hat.

Das Allerschoenste ist aber, dass man mit dem oben genannten Werdegang sogar seitens SAP Werbung machen kann… Da merkt man auf Kundenseite nicht mal wie man verhoehnt wird. Kaufen kaufen kaufen und den Consultants weiter die Taschen voll machen.


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