Wofür man an die GEZ zahlt…

Posted on Tuesday 2 September 2008

Findige Internet Konsumenten werden folgende Geschichte schon entdeckt und verfolgt haben, allerdings kann ich’s nicht lassen noch einmal drauf hinzuweisen…

Am 29.08. hat die ARD ein Interview mit Wladimir Putin ausgestrahlt. Dieses wurde vom Thomas Roth, seines Zeichens Leiter des ARD-Studios Moskau, geführt. Relativ schnell kam ans Licht, dass dieses Interview in stark gekürzter Fassung ausgestrahlt wurde (von 27 Minuten wurden lediglich 10 Minuten ausgestrahlt) und diese zudem arg leienhaft übersetzt wurde. Markant ist weniger die Kürzung an sich (die ja durchaus üblich ist) sondern vielmehr was und wie gekürzt wurde. So ziemlich jede kritisch Bemerkung gegenüber westlichen Medien, der NATO oder den EU-USA Beziehungen seitens Putin wurde zensiert weg gekürzt.

Da die Medienlandschaft dank Internet heute eine neue Art von Kontrolle erfährt (ja, Blogs spielen da auch eine wichtige Rolle) brannte da relativ schnell ein Sturm der Entrüstung los. Nicht zuletzt weil das russische Fernsehen das Interview vielfach komplett ausstrahlte fanden sich schnell Freiwillige, die das komplette Interview übersetzten und ins Netz stellten. Zusätzlich wurde erkennbar gemacht, was die ARD rausgeschnitten hat. Das entsprechend zu Grunde liegende Transkript stammte zu dieser Zeit natürlich nicht, wie es sich eigentlich gehört, von der ARD…

Entsprechend erbricht sich der Zorn der GEZ-Zahler nun seit Tagen über dem Blogeintrag der Tagesschau. Auch wenn in denn hunderten von Kommentaren keine Stellungnahme der ARD oder von Herrn Roth auftaucht, hat man sich dem öffentlichen Druck (mit dem man offensichtlich in der Form nicht gerechnet hatte) gebeugt und eine Stellungnahme veröffentlicht.

Von Zensur kann keine Rede sein

In meine Augen wird hier sehr fadenscheinig argumentiert, aber das Bild muss sich jeder selber machen. Eine Passage finde ich jedoch besonders erheiternd:

Ich habe zugelassen, dass das Interview durch mehrere russische Sender begleitet wird und nach einer vereinbarten Sperrfrist (20:00 Uhr Ortszeit) nach eigener Entscheidung veröffentlicht werden kann. Die russischen Sender haben das in sehr unterschiedlichen Längen getan (von 5 bis zu rund 40 Minuten). Einige haben nur das aus ihrer Sicht Wichtigste veröffentlicht. Verpflichtet waren sie nur zur Quellenangabe: ein Interview der ARD, Erstes Deutsches Fernsehen. Nur zum Verständnis: Hätte die ARD Interesse daran gehabt, irgendetwas nicht zu veröffentlichen, hätten wir uns gar nicht erst auf solche Bedingungen eingelassen. Also nichts durcheinander bringen!

Diese Argumentation finde ich ehrlich gesagt fast ein wenig albern, kann sich doch jeder halbwegs geradeaus denkende Mensch denken, dass es ohne diese Zustimmung nie zu diesem Interview gekommen wäre. Die russische Meinung zu westlichen bzw. europäischen und amerikanischen Medien ist nicht erst seit dem Georgien Konflikt bekannt und, dass Herr Putin als Kontrollorgan seine eigenen Kameras mitbringt versteht sich da ja fast von selbst. Dass hier darzustellen, als wenn Herr Roth eine Wahl gehabt hätte, finde ich lächerlich. Er wird genau gewusst haben, dass es ohne russische Beteiligung kein Interview zwischen ARD und Putin gegeben hätte!

Man sieht sich nun wohl dem öffentlichen Druck verpflichtet nun doch das unbequeme ganze Interview auszustrahlen. Dies wird nun auch geschehen. Zur Primetime…

Letzter Punkt: Selbstverständlich ist unser journalistisches Interesse, das ganze Interview zu veröffentlichen. Das geschieht am Dienstag, den 2. September, um 6:20 Uhr im WDR-Fernsehen [...]

Sehr gut – somit ist auch sichergestellt, dass man die breite Masse erreicht ;)

Alles in Allem ist das eine sehr unschöne Geschichte und bis auf die Tatsache, dass sich Herr Roth und die ARD nun in Zukunft wohl besser überlegt ein Interview derart zu beschneiden, kann ich dem Ganzen nicht viel Positives abgewinnen.
Dafür zahlt man doch gerne GEZ Gebühren…

Für Interessierte, die sich die ganzen Links nicht zusammenklicken möchten, kann ich wie so oft den Artikel des Spiegelfechters empfehlen, der die Geschehnisse inkl. der YouTube Videos zusammenfasst.


1 Comment for 'Wofür man an die GEZ zahlt…'

  1.  
    September 6, 2008 | 17:48
     

    [...] micele’s weblog » Wofür man GEZ zahlt… Am 2. September 2008 um 11:48 Uhr [...] erbricht sich der Zorn der GEZ-Zahler nun seit Tagen über [...]

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