Omnipräsentes RFID

Posted on Thursday 7 February 2008

Ich gehöre ja nun wirklich nicht zu den Menschen die mit Alu-Folie auf dem Kopf herumrennen. Nichts desto trotz gebe ich gerne zu, dass ich froh bin, noch keinen Personalausweis oder Reisepass bei mir zu tragen, der mit einem RFID Chip versehen ist.
Es ist jedoch nicht weg zu reden, dass diese Technologie mittlerweile nahezu omnipräsent ist. Gerade klingt der freundliche Post DHL-Bote und bringt mir einen neuen 4GB USB-Stick vorbei. Kurz darauf folgt eine kurze Diskussion mit Mitbewohnern, in der man sich über das fast schon perverse Preisgefälle bei den Flash Laufwerken unterhält. Bei diesen Preisen (<20,- €) kann man doch eigentlich sicher sein, dass der USB Stick von zarten Kinderhänden zusammengebaut wurde...
Warum die Geschichte mit dem USB-Stick? Weil selbst hier zwischen Umhängeband und Gutschein für irgendeine Demo eines drittklassigen Computerspieles bei genauem Hinsehen diese wunderschöne Überwachungstechnologie sichtbar wird.

Ich renne jetzt nicht direkt zu Mikrowelle, um sicher zu gehen, dass der Chip keine Dienste jenseits des Logistik Managements übernimmt. Ein wenig befremdlich finde ich es dennoch. Hier wird doch offensichtlich wie der Kosten/Nutzen Faktor in der (industriellen) Welt dieser Technologie bewertet und welche Wichtigkeit ihr jetzt schon zugeschrieben wird. Und das ist ja momentan zweifelsfrei nur der Anfang des Siegeszuges von RFID.

Das Vertrauen in RFID und im Speziellen in RFID-gestützte Pässe ist nicht überall so grenzenlos wie in der Politik. Besonders schön fand ich im letzten Jahr die Aktion der Stadt Lübeck, die als Konsequenz auf die neue Generation Reisepässe Alu-Schutzhüllen anbot, um den Bürger und dessen Daten vor Auslesen Dritter zu bewahren.

Ab dem morgigen Donnerstag, dem 1. November, werden in Deutschland elektronische Reisepässe der 2. Generation ausgegeben, die die Fingerabdrücke der Ausweisinhaber enthalten. Um diese Abdrücke und die Passdaten vor missbräuchlicher Benutzung zu schützen, bietet die Passbehörde der Hansestadt Lübeck als erste Behörde zum Preis von 6 Euro eine Alu-Hülle an, damit die Daten nicht unbemerkt ausgelesen werden können.

Hier wird doch offensichtlich was von dem grossen Geschwafel aus Politik und Wirtschaft zu halten ist. Was höre ich sie noch über die Sicherheit und Zuverlässigkeit von elektronischen Pässen fabulieren. Jetzt bedarf es nicht mal mehr aufsässiger Bürgerbewegungen um an paranoide Anti-Abhör-Hüllen zum Schutze der Privatsphäre zu gelangen. Ein Gang zum Bürgerbüro reicht. Kann man eigenltich noch deutlicher sagen, was von diesem Einsatz der Technologie zu halten ist?!

Stop RFID!Wer sich noch ein paar gute aufbereitete Informationen zu angesprochenen Technologien holen möchte, kann diese auf der RFID Informationsseite des FoeBud e.V. tun. Zu stoppen ist RFID ohnehin nicht mehr. Ein Bewusstsein über die Möglichkeiten und damit einhergehenende Gefahren schaden dennoch nicht. Bei FoeBud bekommt man übrigens ebenfalls diese liebevollen abhörsicheren Hüllen für Reisepass und Co. ;)


3 Comments for 'Omnipräsentes RFID'

  1.  
    February 8, 2008 | 8:50
     

    hm bei anderen tags bin ich mir ja nicht so sicher, aber so ein reisepass reagiert doch sowieso nur bis 25 cm.. und dann nur über nen ECCDH Schlüsselaustausch, gehashed mit dem was unten in dem Streifen drin steht..

    also ich hab demnächst so nen ding und ich glaub ich seh nicht wirklich warum ich mir da ne aluhülle für kaufen sollte. oder gibts zu der hülle auch den passenden hut? ;)

  2.  
    February 8, 2008 | 9:10
     

    Also das mit den 25cm stimmt schlichtweg nicht. Diese Entfernungsangabe stammt von den verwendeten Lesegeräten, die für das E-Pass System verwenden werden und in der Tat nicht über 30cm kommen. Man hat allerdings schon vielfach gezeigt, dass gerade beim E-Pass das problemlose Auslesen von bis über 2m möglich ist (mit entsprechenden Lesegeräten) und das Abhören der Kommunikation sogar bis zu einer Entfernung von 10m.
    Wie wirsamkeit die Verschlüsselung ist, wurde ebenfalls vielfach demonstriert und es existieren genügend Verfahren um auch diesen Schlüsselaustausch zu brechen. Auch wenn das von Politik und entsprechenden Behörden oft anders propagiert wird ;)
    Von der propagierten Fälschungssicherheit mal ganz zu schweigen…

  3.  
    February 8, 2008 | 9:43
     

    oha well ich sehe schon ich kauf mir doch noch so ne huelle :)

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